Schafft Wissen Wissenschaft?

 

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Skulptur aus Plastikmüll vom Strand im Exploratorium

 

 

Das Wortspiel im Titel kann ich in der Region um San Francisco gut mit Ja beantworten. Die Durchdringung der Gesellschaft und des täglichen Lebens mit Wissenschaft ist hier vermutlich nicht grösser als irgendwo – abgesehen von Urwald oder Wüste. Doch mir scheint, dass das den Leuten hier eher bewusst ist, als anderswo. Und die Wissenschaftskommunikation hat ihren Anteil daran. Die Medien haben zwar ihre Fachredaktionen auch abgebaut oder geschrumpft. Doch die Themen sind dennoch da – integriert in anderen Artikeln oder Beiträgen. Dazu kommen all die Events, längst nicht nur am Bay Area Science Festival, die wissenschaftliche Themen transportieren.

Klar, das (fehlende) Wasser ist ein Dauerthema. Diskussionen zum Klimawandel, über die ebenfalls fehlende Schneedecke in der Sierra, über Wasserrecycling oder über die Verteilkämpfe zwischen Wasserversorgung, Landwirtschaft und Ökologie sind alltäglich. Davon können die am NFP61 beteiligten Forscherinnen und Forscher in der Schweiz nur träumen. Dazu kommt die hohe Dichte an Hochschulen und Tech-Firmen in der Region. Doch zum alten Spruch, vom Guten Tun und darüber reden kommt eine Überzeugung hinzu, dass es vorwärts geht. Oder dass es die Forschung braucht, um auf Probleme hinzuweisen. Themen wie die Entwicklung neuer Medikamente, eine neue Methode in der Verkehrsplanung, Plastikpartikel in Fischen oder Sauerstoff auf dem Kometen 67P schaffen es auf die Frontseiten oder bekommen längere Artikel – letzteres Thema übrigens mit gebührender Erwähnung der University of Bern, Switzerland.

Apropos Mikroplastik und synthetische Fasern in der Nahrungskette: Dieses Thema könnte als Lehrstück dienen, wie wissenschaftliche Studien via Science-Kommunikation in die Medien gelangen und schliesslich zu Reaktionen auf der politischen Ebene führen können: Zwei Studien, eine mit der UC Davis und eine vom San Francisco Estuary Institute, haben beide gezeigt, wie hoch die Fische in der Bay mit Plastik belastet sind. Ein Gesetz zum Verbot von Microplastik in Kosmetikprodukten war zwar in Kalifornien schon in Vorbereitung, doch nun wird Gouverneur Jerry Brown seine Unterschrift kaum mehr verweigern können. Und vor allem: Den Artikel im Cronicle hat offenbar auch Senatorin Diane Feinstein gelesen. Wie mir Jay Davis vom SFEI erzählt, hat sie mit den SFEI Leuten Kontakt aufgenommen. Sie will das Thema nun nicht nur in Kalifornien, sondern im ganzen Land auf die politische Traktandenliste setzen. Berichte zur Studie in der Los Angeles Times und in der ContraCosta News.

Weitere Beispiele?

Training gegen Vorurteile: Im „open forum“ des San Francisco Chronicle schreibt ein Physikprofessor, die „Culture of Science begins in Classroom“. Vehement und gut begründet plädiert er dafür, dass Lehrer und Lehrerinnen ein regelmässiges Training absolvieren sollten gegen unbewusste Vorurteile. Das Ziel dahinter: In den Schulen braucht es dringend ein geschlechter- und rassenunabhängiges Klima der Neugierde – nicht nur, der Wissenschaft zuliebe (und sicher nicht nur in Amerika). „We don’t need everyone to be a scientist or an engineer, but we absolutely do need a scientifically literate populace to engage in policy debates and make educated choices about our collective future.“ – Und da soll mal einer sagen, die Ami-guys würden nix von Demokratie verstehen….

Earthweek: a diary of the planet: Statt die immer gleichen Wetterprognosen bringt der Chronicle wöchentlich eine kleine aber feine Rubrik mit einem grafisch aufbereiteten, erläuterten Rückblick, was auf der ganzen Welt erdgeschichtlich passiert ist. In Hawaii hat die Erde gebebt, in Mekka war es 48 Grad heiss, Britische Forscher haben einen Stammbaum für 2,3 Millionen Arten publiziert, Giraffen kommunizieren offenbar in extrem tiefen Frequenzen und eine Schwedische Uni hat eine neue Studie publiziert zum Zusammenhang zwischen der Eisschmelze in der Arktis, dem Methanausstoss der Erde und dem Klimawandel.DSC04948earthweek_red

Sichere Passwörter aus Reimen: Die Studie der USC über sichere und trotzdem gut merkbare Passwörter (dank Reimen) schafft es auf die Titelseite des Chonicle. Und der Artikel im Innern des Blattes geht detailliert aber gut verständlich auf die Überlegungen der Forscherinnen und Forscher ein. Onlineversion.

 

 

 

 

 

 

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