Drought Shaming – Wassersünder an den Pranger

Gestern wollte ich mir ansehen, wo Wasser-Grosskonsumenten leben. Dazu bin ich nach Danville gefahren. Die Stadt – de facto eine Vorstadt von Oakland – mit rund 50‘000 Einwohnern gehört zu den 50 teuersten der ganzen USA und weist in ihrer Grössenklasse das zweithöchste Pro-Kopf-Einkommen auf.

Die Szene könnte irgendwo an der Zürcher Goldküste oder in Zug spielen. Vorne bläst einer mit dem Laubbläser die letzten Nädelchen vom Tennisplatz, hinten räkeln sich die Damen am Pool und dazwischen gibt’s grünen Rasen und private Wege. In Blackhawk ist alles privat. Die Gemeinde ist keine echte, sondern ein Verein von Hauseigentümern, die sich und ihre Regeln selbst organisiert haben. Hier leben Tech-Gurus, Besitzer von Footballteams, Traktorenfabrikanten, Rockmusiker oder Immobilienkönige. Rundherum gibt es Zäune und goldene Tore. Die gehen aber nur für die Berechtigten auf. Früher war alles einmal eine grosse Ranch. Ein Teil davon haben deren Erben grossherzig dem Mount Diablo State Park vermacht. Dort ist es jetzt braun. Eine dreihundertjährige Eiche trotzt der Dürre auf einem Hügel. An einem ihrer Äste hängt eine hölzerne Schaukel mit eingekerbten Herzchen und Initialen. Doch die Aussicht für die verliebten, schaukelnden Cowboys und –girls war eine andere. Statt weidenden Rinderherden kann man heute den umherfahrenden Golfmobilen zuschauen. Ab und zu steigt ein Mensch aus und schlägt einen Ball. Dann surren die Karren wieder weg über die grünen Matten.

Immerhin werden in San Francisco einige Golfplätze mit Recyclingwasser bewässert, mit gereinigtem Abwasser. Der von Blackhawk soweit mir bekannt noch nicht, denn das Eastside Recycled Water Project wurde auf 2025 verschoben – erst müssen die Hausaufgaben in der City gelöst werden (siehe Eintrag Shitstorm). Doch in Blackhawk wäre ausreichend Wasser zum rezyklieren vorhanden. Mehrere Einwohner hier figurieren unter den Top-Wasserverbrauchern der Region. Und das ist das eigentlich Erstaunliche für mich: Der East Bay Municipal District (EBMUD) hat letzte Woche eine solche Liste mit Namen und mittlerem Tagesverbrauch öffentlich gemacht. Das Öffentlichkeitsgesetz* Kaliforniens verpflichtet EBMUD dazu, diejenigen zu nennen, die gegen Verbrauchsregeln verstossen; nur wer Rekurs einlegt, wird vorübergehend ausgeklammert. An der Spitze der Liste ist der ehemalige Chevron Manager Georg Kirkland mit 12‘579 Gallonen Wasserverbrauch täglich. Das entspricht dem Schweizer Pro-Kopf-Jahresverbrauch (nur Haushalt)! Dann folgen der Finanzjongleur Mark Pine (8090 Gal) und der Vizepräsident von Oaklands Baseballteam, William Billy Beane (5996 Gal). Über 50 Konsumenten haben in den letzten zwei Monaten pro Tag mehr als 2500 Gallonen verbraucht haben. Ohne Strafe kommt davon, wer unter 1000 Gallonen täglich verbraucht. Der mittlere Verbrauch im Gebiet beträgt 250 Gallonen pro Haushalt (950 Liter), in der City von San Francisco wird angestrebt, dass jeder Haushalt mit 50 Gallonen (190 Liter) auskommt pro Tag.

Klar, dass sich die Medien an der Rangliste weiden. Und die Entschuldigungen der Betroffenen, so sie sich den Journalisten überhaupt stellen, sind so bunt, wie die Hunde, die hinter den Zäunen leben. „Leck im Pool, unfähige Gärtner, viele Gäste“ etc. Doch welchen Wert hat diese Transparenz? Würde ein Ferienhausbesitzer in der Schweiz seine Elektroheizung ersetzen, wenn er sich als Strom-Sünder in der Zeitung fände? Die Sprecherin von EBMUD, Abby Figueroa, hält nicht so viel davon: „Wir müssen die Daten herausgeben. Sie sind öffentlich. Aber wir glauben nicht, dass die Dürre-Schande der Weg zum Ziel ist. Das ist nicht gut für ein gesundes Zusammenleben.“ Wenn nötig, so Figueroa, könnten die Bussen noch stark erhöht werden und als letzte Massnahme bliebe auch schlicht die Drosselung des Durchflusses. Dass EBMUD nicht glücklich ist damit, seine Kundinnen und Kunden an den Pranger zu stellen, zeigt sich auch in einem warnenden Vermerk auf der Webseite*. Sinngemäss heisst es dort: „Bei berechtigten Anfragen wird EBMUD die vom Gesetz verlangten Daten herausgeben und die Medien werden die Information unter Umständen publizieren. … EBMUD nimmt den Datenschutz sehr ernst und gibt keine Kundendaten freiwillig weiter.“

Immerhin wird darüber geredet und wer es bis jetzt nicht längst getan hat, schaut sich seinen Wasserverbrauch einmal genauer an. Ein Kollege zeigt mir am Bildschirm, wie er online auf seinen Tagesverbrauch zugreifen kann: „Uups, das war am Tag vor den Ferien“, rechtfertigt er einen Ausreisser, „da haben wir noch grosse Wäsche gemacht.“

Artikel auf SFgate mit Bildern   

*Public Disclosure Requirements

High water use customers should be aware that under the California Public Records Act (Section 6254.16(d) of Government Code 6250-6276.48) EBMUD is required to release the name, home address and water use data of customers using water in violation of EBMUD’s regulations and ordinance if that data is requested pursuant to a Public Records Act request. In the past EBMUD has received public records requests from the media for information about customers whose use is excessive as defined by the ordinance. If EBMUD receives a valid public records request for information about violations of its excessive use ordinance, EBMUD will comply and the media may publish that information. EBMUD understands customers‘ concerns about their private information and will only release information which is required to be released by law. EBMUD takes customer privacy very seriously and has a practice of never voluntarily releasing customer information to a third party unless required by law.

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