Nightlife und Wissenschaft

sanfrancisco_P1110066-kGestern hat die California Academy of Science wie jeden(!) Donnerstag zur Museumsnacht eingeladen. Von 18-22 Uhr kann das Museum im Golden Gate Park dann für 12$ statt tagsüber für 35$ besucht werden und nebst den ständigen und temporären Ausstellungen sind erst noch zusätzliche Infostände organisiert, wo Experten (teils sogar „echte“ Wissenschaftler) Infos weitergeben. Dazwischen sind Bars aufgebaut und im Foyer legt ein DJ auf:  „As the sun goes down, this famous San Francisco museum is transformed into a lively venue filled with music, provocative science and exhibits!“ wird der „hottest event on everyone’s social calendar“ beworben. Im Internet-Veranstaltungskalender SFweekly ist man etwas ehrlicher: „It doesn’t get more sophisticated than a cocktail in one hand and no children in sight.“ – also die Wunder der Welt für einmal ohne Kindergeschrei erforschen und einen Drink in der Hand. Auch ein Argument. Und es scheint zu ziehen. Der Anlass ist sehr gut besucht. Die Stimmung ist relaxed. Die Idee scheint tatsächlich ein anderes Publikum anzusprechen. Viele sind so zwischen 25 und 35, kommen als Pärchen oder als ganze Gruppe. Sarah und Sam, zum Beispiel, wohnen gleich um die Ecke im ehemaligen Hippieviertel: „Ich arbeite die ganze Woche, da kann ich nur am Wochenende kommen, und da sind immer sehr viele Leute und viel Kindergeschrei“ sagt Sarah, „also nutze ich den Abend, das ist cool.“ Kommen die Leute eher wegen der Partystimmung oder den Ausstellungen? Für Patty und Frederick, die schon zum dritten Mal hier sind, ist die Antwort klar: „Halb-halb.“

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Zwei Lachsforscher (der eine mit aufgesetztem Fischkopf) geben Auskunft zu ihren Untersuchungen über Habitatsveränderungen. Das Poster zum Überleben der Lachse in nicht ganzjährig wasserführenden Flüssen ist zwar wegen der anhaltenden Trockenheit aktuell, aber auch sehr vollgestopft und klassisch wissenschaftlich verfasst.

Nebst dem Mix Party&Science scheint mir noch eine zweite Kombination zum Erfolg dieses Anlasses beizutragen: Die Mischung zwischen recht einfach (eben auch für die Kinder unter der Woche…) vermitteltem Basiswissen auf der einen und den Fachinputs der beteiligten Expertinnen und Experten auf der anderen Seite. So sind für mich die Infos auf den Schautafeln, zu Exponaten oder in der grossen Schau im „Planetarium“ teilweise fast etwas trivial. So nach dem Motto „alles ist vernetzt“, „Erdbeben gibt es, weil die Kontinente sich bewegen“ etc. Doch ein Gespräch mit der Meeresbiologin beim Berühren von Seesternen und -igeln  oder die Info der Lachsforscher von der UC-Davis (Foto) führen weiter. Ihr Poster zum Überleben der Lachse in nicht ganzjährig wasserführenden Flüssen ist zwar wegen der anhaltenden Trockenheit aktuell, aber auch sehr vollgestopft und klassisch wissenschaftlich verfasst. Doch mit ihrer Begeisterung machen sie dieses Manko wett.

Die Besucherinnen und Besucher nutzen die Gelegenheiten zum Gespräch rege. Anders als ich mir das von ähnlichen Anlässen in der Schweiz gewohnt bin, sind es viele jüngere, die Fragen stellen. Die Prototypen der wissbegierigen älteren Dame oder des bereits fast allwissenden (und das unter Beweis stellenden) älteren Herrn, die einen Forscher den ganzen Abend lang in Beschlag nehmen können, scheinen hier weniger verbreitet zu sein.

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