El Niño: Hoffen und Bangen zugleich

Es ging einige Zeit, bis ich auf die ersten Artikel zu Forschungsthemen in den Zeitungen gestossen bin. Aber natürlich habe ich kein Blatt systematisch durchsucht. Lustigerweise fand ich den ersten Beitrag in einer Gratiszeitung, dem East Bay Express. Es ging um Glyphosat bzw. Roundup, ein weltweit inklusive den USA verbreitetes Herbizid, das schon im März von der WHO als potenziell kanzerogen eingestuft wurde. Der Artikel ist sachlich geschrieben, auch wenn die Ergebnisse der Rattenexperimente ziemlich beunruhigend sind und auch bei sehr tiefen Konzentrationen (wie sie im Trinkwasser in den USA vorkommen) Effekte beobachtet wurden. Die Titel „Indizien gegen Roundup mehren sich“ bzw. im Web „Mehr Indizien, dass Roundup toxisch ist“ (Evidence Mounts that Roundup Is Toxic) sind aus meiner Sicht sogar eher brav. Dass ein Unkrautvertilger toxisch ist, ist eigentlich selbstverständlich.

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Erst im Winter 2009/2010 hat sich der Pazifik hier an der Ocean Bay gut 50 Meter Land und eine halbe Autobahn geholt. Nur wenig dahinter liegt die Ocean Bay Kläranlage…

Etwas dramatischer gehts im Artikel von San Francisco Chronicle Science Editor David Perlman zu. Er schrieb gestern über die Untersuchungen der Ozeanographen und Klimaforscher, wie sich El Niño 2015 auswirken wird. Denn dass dieses Phänomen diesen Winter sehr stark bis extrem ausfallen wird, hat inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 90% erreicht. So ganz sicher sind die Kalifornier nur nicht, ob sie sich darauf freuen oder davor fürchten sollen. Freuen können sie sich voraussichtlich auf viel Regen, fürchten müssen sie sich vor zu viel Regen, Hochwassern, Hangrutschen und vor allem auch vor sehr hohen Wellen und damit vor starker Küstenerosion. Das jedenfalls sagt eine Expertengruppe und eine eben in Nature Geoscience veröffentlichte Studie, die Grundlage für Perlmans Artikel bildet.

Der Unterschied zwischen den beiden Artikeln liegt nicht in der journalistischen Aufbereitung der Themen, sondern in deren Kern: Ob und wie viel Roundup versprüht wird auf die Felder, wäre an sich einfach zu kontrollieren. Gegen die höheren und häufigeren Wellen des Pazifiks sind Rezepte rar. Die Beweislage, dass ein häufigeres oder stärkeres Auftreten von El Niño mit dem Klimawandel und dieser wiederum mit dem Verbrauch fossiler Energien zusammenhängt, ist deutlich komplexer als die Genmutationen bei den Laborratten –  auch komplexer zum kommunizieren.

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