20 Prozent der Stadt unter den Füssen

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Die Kläranlage Oceanside bvon SF Water behandelt das Abwasser von rund 20 Prozent der Stadt. Am Samstag von 10-12 Uhr ist eine öffentliche Führung angesagt. Jonathan Smith empfängt die gut 30 Gäste. Obwohl der Medientrainer Shaplen rät, vorsichtig umzugehen mit Humor, startet Smith mit einem Spässchen: „Wir werden die Führung heute in 10 Minuten machen, ich will nämlich nachher den Match gegen Colorado State ansehen.“ Das Eis ist gebrochen und die wahre, schlechte Nachricht kann einfacher angebracht werden: Aus Sicherheitsgründen kann heute die Schlammbehandlung nicht besichtigt werden – offenbar ein Problem mit Schwefelgas. „Unsere Experten sind daran, das Problem zu lösen“, sagt Smith und  leitet über zu einem coolen Rap-Video (oder auf Youtube) über das Abwassersystem. „You Can’t Live A Day Without Me“ ist von Praktikanten erstellt und von BAYCAT gefilmt worden. Eine US-typische Kombination mit viel Freiwilligenarbeit. Baycat ist eine Nonprofit-Organisation, die Jugendliche aus bildungsfernen Schichten mit Medientrainings unterstützt.

Smith und eine Biologin erläutern anschliessend die Funktion der – zum grössten Teil unterirdischen – Anlage und die laufenden Kontrollen bis das gereinigte Abwasser vier Meilen ausserhalb der Beach in den Pazifik entlassen werden kann. Eine Phosphatfällung oder weitergehende Massnahmen gegen Mikroverunreinigungen gibt es hier nicht. Der unendliche Pazifik verdünnt alles. Für die Anlage auf der Ostseite der Stadt, die ihren Ausfluss in die Bay schickt, sind aufwändigere Verfahren in Planung.

Der Umgang ist optisch und olfaktorisch interessant – die insgeheim schon etwas erwartete grosse Show bleibt aber aus. Man bleibt sachlich. Erstaunlich sind für mich jedoch die sehr interessierten und teils kundigen Fragen der Besucherinnen und Besucher. Während in der Schweiz bei ähnlichen Anlässen kaum jemand piep macht, muss hier die Fragerunde schliesslich abgebrochen werden, damit der Rundgang noch Platz hat. Was ist mit Wasserrecycling? / ist in Planung. Wie kommt die Kläranlage mit der Trockenheit zurecht? / gut, aber wir müssen die Preise erhöhen und gut planen, dass die Rückhalteräume gereinigt sind, wenn der grosse Regen kommt. Welches war die grösste Herausforderung? / Tonnen von Sand in den Becken, den wir von Hand rausschaufeln mussten. Etc. etc.

Fazit: Kommunikationsmässig kochen auch die SF Water Leute „nur“ mit Wasser. Ein Blick durch ein Mikroskop, um den Abwasserbakterien beim Fressen zuzuschauen oder andere „interaktive“ Elemente könnten die ansonsten engagierte und gute Führung noch aufwerten. Mehr scheint auf dem Web und in den sozialen Medien zu laufen – vermutlich auch das typisch. SF Water betreibt zum Beispiel ein ganzes Programm, um das Abwassersystem zu verbessern, das stark auf die (digitale) Mitarbeit der Bevölkerung setzt. Siehe: SSIP = Sewer System Improvement Program. / Twitter: #sfsewer 

Mehr Bilder von der Führung:

follow:  #sfsewer

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2 Gedanken zu “20 Prozent der Stadt unter den Füssen

  1. Danke, Andri, für deinen Blog! Ich hoffe noch viel über deine Zeit in SF zu lesen, denn wie immer schreibst du wunderbar und ich freue mich über jeden neuen Eintrag! Liebe Grüsse aus der herbstlichen Schweiz (morgens kühl und im Laufe des Tages warm = Altweibersommer), Arianne

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