Kontext statt Fakten

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Freitag Nachmittag. Andere gehen ein Bier trinken. Das Swissnex-Team nicht. Medientraining ist angesagt. Und zwar direkt im TV-Studio von BeyondPix. Trainer ist Peter Shaplen, ein alter Hase im Business. Trotzdem vermittelt er nicht „alte Schule“. Die Medienwelt hat sich geändert. Was ist das wichtigste in einem Interview, in einer Präsentation? ICH bestimme die Agenda. Die Journalistin oder der Journalist will MEINE Emotion (feel), meine Meinung (think), allenfalls noch meine Beobachtung (bei einem Unfall). Die Informationen, die Facts, können anderswo geholt oder vermittelt werden. Die ICH-Geschichte ist gesucht. Wen geht meine Geschichte etwas an, warum, und warum jetzt?

Peter hört sich selbst (wie die meisten Medienschaffenden) gerne reden. Doch was er sagt, hat Hand und Fuss. Und das Wichtigste: Er merkt ganz genau, wenn sein Interviewpartner nicht weiss, was er wirklich los werden will. Daher muss jede Vorbereitung auf eine Präsentation oder ein Interview damit beginnen, sich Rechenschaft zu geben: „Was ist meine Agenda, also was will ich erreichen, und welches sind meine 3 Schlüsselbotschaften?“ Dazu noch einige Ich-Stories und vielleicht sogar doch einige Fakten vorbereiten – eh voilà!

Das Training vor der Kamera ist intensiv. Aber erhellend. Wie schaffen wir (oder von uns beratene Wissenschaftler) es, die Agenda zu setzen? Habe ich die „killer quote“ in der Tasche? Und worüber spreche ich sicher nicht? Etwas, das der TV- und Radioprofi Shaplen gut rüberbringt: „Baut Brücken!“ Konkret: Wenn der Journalist nicht das fragt, was ihr loswerden wollt, scheut euch nicht, mit einer „Brücke“ auf euren Pfad zurückzukommen. Zum Beispiel: „Das ist ein guter Punkt, aber es dürfte Sie auch interessieren, wie ich….“; „Worüber ich heute mit ihnen wirklich reden wollte, ist…“ –  oder bei schwindender Aufmerksamkeit im Publikum: „Lassen Sie mich EINEN Punkt absolut klar machen…“; „Als Wissenschaftler war für mich in dieser Studie besonders faszinierend, dass…“

Man mag den „Amis“ vorwerfen, sie würden bei europäischen Medien mit übersteigertem Selbstwertgefühl als überheblich gelten, doch bloss gut schweizerisch warten (eis nach em andere), bis der Journalist endlich vielleicht doch noch die richtige Frage stellt, genügt nicht. „Be ready with your best off – it’s showtime!“, heisst hier die Devise.

video-smallpix-shaplen

Ich habe mit Peter Shaplen ein 4min. Video gemacht zu den Fragen: Kann Wissenschaft im extremen Zeitdruck der Medien (durchschnittliche Einstellung oder Quote im TV noch 7Sekunden!) überhaupt funktionieren? Wie können Kommunikationsleute die Forschenden motivieren, mehr Emotion und Meinung zu bringen statt Fakten?

[sorry für die miese Bild- und Tonqualität – musste mit ungeeignetem Material arbeiten… – falls der facebook-Link nicht geht, hier noch dasselbe auf Vimeo]

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