…und was, wenn der Regen nicht kommt?

sanfrancisco_DSC02384-k2Heute habe ich über Mittag (mit ungemütlichem Brötchenlunch…) einen Vortrag der NABE besucht. Die National Association for Business Economics ist so etwas wie die Handelskammer bei uns – so ganz genau blicke ich da nicht durch. Der Grund zum Hingehen waren Rednerin und Thema. Die Frage „What If California’s Drought Continues?“ wollte Ellen Hanak beantworten. Hanak ist am PPIC, Public Policy Institute of California für das Wasser zuständig. Und das PPIC nimmt für sich in Anspruch, eine „critical source of information and guidance for natural resource management in California“ zu sein – also eine entscheidende oder zumindest sehr wichtige Stelle für Entscheidungsträger, wenn es um das Management von Wasser und anderen Ressourcen in Kalifornien geht. In der Schweiz könnte man das vielleicht vergleichen mit dem Gottlieb Duttweiler Institut oder dem Zentrum für Technikfolgeabschätzung TA-Swiss.

Interessant war, dass die Ökonomin Hanak die aktuelle Situation, anders als ich erwartet hatte, gar nicht dramatisch darstellte. „Die Bauern hören es zwar nicht gern, aber sie steuern nur ein bis zwei Prozent zum BIP in Kalifornien bei“, sagte sie. Im Klartext: Auch eine anhaltende Dürre würde Kaliforniens Wirtschaft nach den Modellen von Hanaks Team um weniger als 0,1% schwächen. In den Städten und Agglomerationen, wo die grösste Wertschöpfung stattfindet, funktioniert die Wasserversorgung erstaunlich gut. Bleibt es noch sehr lange trocken, würde das Wasser wohl teurer. Aber ausgehen würde es nicht. „Wir haben noch viele Optionen“, sagt Hanak. Ob alle diese Optionen, etwa das Erschliessen von tiefem Grundwasser, nachhaltig sind, erläutert sie allerdings nicht. Wo es auch nach der Einschätzung des PPIC zunehmend dramatisch wird, ist im Bereich Ökosysteme. Zu wenig und zu warmes Wasser, zunehmende Busch- und Waldbrände, Fortschreitende Versalzung von Lagunen – das setzt der Natur zu. 18 Fischarten sind vom Aussterben bedroht, die Sterberate bei Wasservögeln ist hoch. Einziger Lichtblick: Das Fluten von Feldern, um das Grundwasser künstlich anzureichern, kann kurzfristig Lebensraum für Wattvögel schaffen – „innovatives Wasservogelmanagement“ heisst das hier.

Gerne hätte ich mit Ellen Hanak ein Interview gemacht über das Dreieck Wissenschaft-Kommunikation-Politik, doch – wie alle Leute hier – war sie „very busy“ und wollte nicht vor die Kamera stehen. Zwischen Tür und Angel habe ich sie dann doch befragt, ob sie denke, dass die Forscherinnen und Forscher selbst genügend tun würden, um ihre Erkenntnisse in die Entscheidungsprozesse einzuspeisen. „Es gibt welche, die das können“, sagt sie und fährt mit dem Werbespot für das PPIC fort, „anderen stellen wir unsere Redaktoren zur Verfügung.“ Was sie vom Trend halte, dass alles auf einer Seite dargestellt oder in 30 Sekunden gesagt werden muss: „Tia, die wichtigen Leute haben wenig Zeit, es können aber auch mal zwei Seiten sein.“ Und die Rolle der Kommunikationsleute an den Hochschulen und Forschungsinstituten? „Natürlich arbeiten wir mit denen zusammen. Aber manche machen aus meiner Sicht auch kontraproduktive Medienarbeit. Um bei den Journalisten Aufmerksamkeit zu erlangen, publizieren sie Schreckensmeldungen,“ Das bremse Investitionen, sagt Hanak. Ein Getränkehersteller zum Beispiel wollte nicht nach Kalifornien kommen wegen der Dürremeldungen, obwohl sein eigener Wasser-Fussabdruck sehr klein wäre.

  • Mehr Hintergrund zum Referat von Ellen Hanak (inkl. pdf Download der Pubikation „What If California’s Drought Continues?“): Link
  • Mehr über den Bereich Wasser am PPIC: Link
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Ein Gedanke zu “…und was, wenn der Regen nicht kommt?

  1. Lieber Andri. Ich freue mich immer auf deine Blogeinträge. Vielen Dank! Sonnige Grüsse, R.
    PS:…. scheint, dass ihr die Auflage für den englischen Jahresbericht etwas erhöhen müsst 🙂

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